Taschenrechner Teil 2: Die Anforderungen

Zur Kommunikation mit der Person, die das Wissen/die Idee für das Produkt hat, kann ein Dokument mit der Beschreibung der UseCases verwendet werden. In agilen Projekten werden die Anforderungen als User Stories verpackt. Ist der Ideengeber verfügbar, so gibt es eine Interviewtechnik namens „6 Question Analysis“, die an dieser Stelle exemplarisch verwendet wird. Aus den Resultaten des Interviews entstehen dann die UseCases. Das Beispiel konzentriert sich auf die Erfassung der Anforderungen, es wird kein Entwicklungsprozess beschrieben.

Die „6 Question Analysis“ gibt dem Interviewer sechs Fragetypen an die Hand, um die sechs Dimensionen einer Produktidee zu erfahren. Zu jeder Dimension gibt es eine zusätzliche Frage, um die Quantität der Dimension zu erfassen. Die Fragen und Dimensionen sind:
– Was? für das Konzeptuelle
– Warum? für die Motivation
– Wie? für das Funktionale
– Wer? für das Organisatorische
– Wann? für das Zeitliche
– Wo? für das Geographische

– Wie viel? für die Quantität

Hier ein fiktiver Dialog mit der 6 Question Analysis (die Quantität wird in dem Dialog noch nicht besprochen):

A: Ich möchte eine Taschenrechnersoftware für den PC entwickeln lassen und dann als Produkt verkaufen.
B: Was bringt dich auf diese Idee? (Was, Das Konzeptuelle)
A: Ich arbeite als ScrumMaster und muss die Velocity immer im Kopf ausrechnen und dann das Ergebnis per Mail verschicken. Das muss einfacher werden.
B: Welche Gruppe von Personen wird den Taschenrechner kaufen wollen? Gibt es auch Personen, die den Taschenrechner nicht gut finden werden? (Wer, das Organisatorische)
A: Die meisten ScrumMaster, mit denen ich gesprochen habe, hätten auch gerne eine Hilfe zur Berechnung der Velocity. Darunter gibt es Benutzer von HP Taschenrechnern, sie werden den Taschenrechner ablehnen, weil er keine „Umgekehrte Polnische Notation“ (RPN) kann. Und die Firma Microsoft, sie bietet einen ähnlichen Rechner und werden von meinem Produkt nicht begeistert sein.
B: Was werden die Gründe für jede der Gruppen sein, dein Produkt zu nutzen oder abzulehnen? (Warum, die Motivation)
A: Nun, für die ScrumMaster spart das Zeit. Das Rechnen im Kopf mit Kontrolle und das Versenden dauert doppelt so lange. Außerdem werden manchmal Empfänger vergessen, es gibt da immer wieder Fehler. Mit der Software wird es also schneller und besser gehen. Für die anderen Gruppen habe ich die Ablehnungsgründe vorhin schon gesagt.
B: Wann werden die Kunden dein Produkt benutzen? (Wann, das Zeitliche)
A: Nach jedem Sprint, also alle 2-4 Wochen. Das Berechnen und das Versenden wird etwa sieben Minuten dauern.
B: Wo wird dein Produkt eingesetzt werden? (Wo, das Geographische)
A: Die potentiellen Kunden sind in Europa, Nordamerika und Asien. Im Moment will ich mich aber auf Deutschland konzentrieren. Dort soll das Produkt am Arbeitsplatz des ScrumMasters eingesetzt werden, ein PC ist da immer vorhanden. Obwohl, wenn ich mir das recht überlege, in Zukunft ist auch ein Produkt fürs Mobiltelefon denkbar.
B: Wie werden die Leute dein Produkt verwenden? Lass uns das einmal durchspielen… (Wie, das Funktionale)

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